Es gibt eine ungeschriebene Regel in Bosnien und Herzegowina: Kaffee nimmt man nicht to-go. Sich mit einem Kaffee gemütlich hinzusetzen, gehört einfach dazu. Denn die Zubereitung dauert eine Weile – und das trinken dann eben auch. Die Bosnier haben sogar ein Wort dafür: ćejf — die Lebensphilosophie, die kleinen Momente zu genießen.

Wie kam der Kaffee nach Bosnien?
Der Kaffee kam im 16. Jahrhundert auf osmanischen Handelswegen, die Sarajevo mit Istanbul, Damaskus und Kairo verbanden nach Bosnien. Das erste Kaffeehaus Europas öffnete nicht in Istanbul, nicht in Venedig, nicht in Wien, sondern direkt hier. In der bosnischen Hauptstadt. Kaffee war kein Luxus, sondern ein Bestandteil des Alltags und die Kafana war der Ort, an dem Geschäfte gemacht wurden, Nachbarn Neuigkeiten austauschten und Familien wieder zueinander fanden.
Das änderte sich nicht wesentlich, als die Osmanen gingen und die Österreicher kamen. Der Kaffee blieb. Und das Kaffeehaus als zweites Wohnzimmer auch. Heute ist er tief in der bosnischen Gesellschaft verankert. Der Espresso im Stehen oder der Eiskaffee to-go des 21. Jahrhunderts? Haben sich nie so ganz durchgesetzt.

Was ist bosnischer Kaffee — und wie wird er zubereitet?
Eine wichtige Unterscheidung vorneweg: Bosnischer Kaffee ist nicht türkischer Kaffee. Die Methoden sind verwandt, aber Philosophie, Zubereitung und Aromas sind verschieden.
Alles fängt mit der Džezva an — einer kleinen Kanne aus Kupfer mit langem Stiel. Ein gehäufter Teelöffel fein gemahlener Kaffee pro Tasse Kaffee kommt hinein, dann heißes Wasser. Die Džezva kommt auf niedrige Hitze und während das Wasser erneut aufheizt, steigt der Kaffee nach oben und bildet eine Schaumschicht an der Oberfläche, den Kajmak. Kurz bevor die Flüssigkeit vollständig aufkocht (Achtung: Sie kann schnell überkochen), nimmst du den Džezva vom Herd.
Etwas Kajmak kommt zuerst in den Fildžan — die kleine, henkellose Tasse. Dann gießt du den Kaffee langsam nach. Die Kaffeesatz sinkt auf den Boden. Deshalb wird auch nicht umgerührt.
Das ist die traditionelle Methode. Aber: Jede Familie macht es ein bisschen anders. Das Verhältnis von Kaffee zu Wasser variiert. Manche nehmen den Džezva früher vom Herd, andere lassen den Schaum zweimal aufsteigen. Es gibt kein einzig richtiges Rezept, sondern zahlreiche, die alle ihre Daseinsberechtigung haben.
Wie Maida vom Caffe Bar Andar in der Baščaršija es macht, zeigen wir dir in unserem YouTube-Video.

Wie trinkt man bosnischen Kaffee richtig?
Der Kaffee wird in Bosnien und Herzegowina immer mit einem Glas Wasser serviert. Um den Gaumen zu reinigen, sagen die Experten. Wasser zu servieren war früher aber auch ein Zeichen von Wohlstand. Nicht jeder hatte einen Brunnen im Haus.
Außerdem immer auf dem Tablett: Eine Süßigkeit. Manchmal nur Würfelzucker, manchmal auch Rahat Lokum (türkisches Konfekt). Wir empfehlen dir, den Kaffee erst einmal pur zu probieren – viele unserer Gäste sind überrascht, dass er gar nicht so bitter ist. Wenn du es süßer magst: Ein Bissen Zucker oder Rahat Lokum, dann ein Schluck Kaffee — die beiden vermischen sich im Mund. Wer mag, kann den Zucker auch auflösen oder Milch dazugeben.
Ein kleiner Hinweis zu bosnischer Gastfreundschaft von uns: Wenn jemand dir in seinem Zuhause bosnischen Kaffee anbietet, bietet er dir nicht nur ein Getränk an. Er sagt dir, dass du willkommen bist, dass es keine Eile gibt und dass du bleiben kannst, so lange der Kaffee reicht. Schnell trinken und sofort gehen ist technisch in Ordnung. Es ist aber auch, irgendwo tief in der Kulturlogik dieses Landes, unhöflich.

Beste Cafés für bosnischen Kaffee in Sarajevo
Bosnischen Kaffee findest du überall in der Stadt, aber hier geht dsa .Cheyf-Team zum Kaffeetrinken am liebsten hin:
Café Bar Andar: Maida zeigt dir hier gerne live, wie man bosnischen Kaffee kocht
Ministry of Ćejf: Besonders schön sitzt es sich hier im Sommer unter Markisen
Hotel Europa: Bosnischen Kaffee im Wiener Ambiente trinken, das kannst du nirgendwo sonst
Wenn du an unserer Sarajevo Stadtführung teilnimmst, erlebst du das ganze Kaffeeritual. Eine echte Pause ist Teil der Führung.
Beste Cafés für bosnischen Kaffee in Mostar
Mostars Kaffeekultur teilt dieselben osmanischen Wurzeln wie die Sarajevos. Hier setzt sich das .Cheyf-Team gerne für einen Kaffee:
Fabrika: Im Innenhof einer ehemaligen Moschee sitzt du angenehm schattig
Šadrvan: Hier wird der Kaffee ganz traditionell auf dem Kupfertablett serviert
Café de Alma: Den Prozess der Zubereitungs des bosnischen Kaffees lernst du hier

Kann ich bosnischen Kaffee zuhause nachmachen?
Ja, natürlich. Kaffeepulver mit der richtigen Mahlung bekommst du in jedem bosnischen Supermarkt, und die Methode oben funktioniert auch in deiner Küche — mit einem Džezva, den du dir online besorgen oder direkt aus Sarajevo mitbringen kannst. Übrigens: Auf unserer Sarajevo Stadtführung beraten dich die Kupferschmiede der Baščaršija gerne, welcher Džezva am besten zu deinem Herd und deinem Zuhause passt.
Und wenn du die vollständige Version möchtest — den Kaffee, die Atmosphäre und die Geschichten, die dazugehören — sind unsere Sarajevo Food Tour und die Stadtführung mit bosnischem Kaffeeritual der richtige Einstieg.
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Unter unseren .Cheyf Signature Experiences gibt es eine Tour für jeden Geschmack: Entschleunigt, aktiv, geschichtsträchtig oder kulinarisch.








